Überblick
Was ist ein Im-Ohr-Hörgerät?
Ein Im-Ohr-Hörgerät, kurz IdO, trägt seine gesamte Technik in einer kleinen Schale, die in der Ohrmuschel oder im Gehörgang sitzt. Anders als beim Hinter-dem-Ohr-Gerät gibt es kein Gehäuse hinter dem Ohr und keinen Schlauch. Die Schale wird nach einem Abdruck Ihres Gehörgangs individuell gefertigt, Schale und Frontplatte lassen sich der Hautfarbe anpassen. Deshalb fällt das Gerät kaum auf und stört nicht beim Brilletragen.
Es gibt vier Bauformen. Das Concha-Gerät füllt die Ohrmuschel teilweise aus und hat am meisten Platz für Technik. Das Gehörganggerät sitzt im Eingang des Gehörgangs. CIC-Geräte verschwinden ganz im Gehörgang, IIC-Geräte sitzen noch tiefer, kurz vor dem Trommelfell, und sind nur an einem kleinen Zugfaden zu erkennen. Je kleiner das Gerät, desto weniger Platz bleibt für Batterie, Mikrofone und Funktionen.
Ablauf
Ablauf: vom Ohrabdruck zum fertigen Im-Ohr-Gerät
Am Anfang stehen wie bei jedem Hörgerät die Verordnung aus der HNO-Praxis, der Hörtest und ein Beratungsgespräch. Dabei prüft der Hörakustiker, ob Ihr Hörverlust und Ihr Gehörgang überhaupt für ein Im-Ohr-Gerät geeignet sind. Stiftung Warentest nennt leichten bis mittleren Hörverlust als Einsatzbereich. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit, sehr engen oder stark gewundenen Gehörgängen oder eingeschränkter Fingerfertigkeit ist ein Hinter-dem-Ohr-Gerät meist die bessere Wahl.
Passt die Bauform, nimmt der Akustiker mit einer Silikonmasse einen Abdruck des Gehörgangs. Daraus entsteht, oft über ein digitales 3D-Modell, die individuelle Schale mit eingebauter Technik. Je nach Hersteller und Bauform dauert das einige Tage bis wenige Wochen. Weil jedes Gerät eine Maßanfertigung ist, lässt sich ein Im-Ohr-Gerät nicht so einfach zum Probetragen austauschen wie ein Standardgerät hinter dem Ohr; fragen Sie früh, wie der Vergleich organisiert wird.
Beim Einsetzen prüft der Akustiker Sitz, Druckstellen und Pfeifen und stellt das Gerät am Computer ein. Ein häufiges Thema ist der Verschlusseffekt: Die eigene Stimme klingt dumpf, weil der Gehörgang abgedichtet ist. Eine Belüftungsbohrung in der Schale mildert das. Danach folgen Probetragen und Feinanpassung in mehreren Terminen, zum Schluss ein Sprachtest in Ruhe und im Störgeräusch. Drückt die Schale nach einigen Tagen oder rutscht sie beim Kauen heraus, gehen Sie zurück: Die Schale kann nachgearbeitet oder neu gefertigt werden. Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie Sie Wachsfilter wechseln und das Gerät reinigen, denn davon hängt ab, wie zuverlässig es im Alltag arbeitet.
Kosten
Was kostet ein Im-Ohr-Hörgerät?
Im-Ohr-Geräte gehören laut Hilfsmittel-Richtlinie zur Standardversorgung, die Kasse zahlt also denselben Festbetrag von 704,37 Euro netto je Gerät wie bei Hinter-dem-Ohr-Geräten. Aufzahlungsfreie Im-Ohr-Modelle gibt es, sie sind aber seltener, weil Maßanfertigung und Miniaturtechnik teurer sind. Fragen Sie ausdrücklich danach, wenn Ihnen die Bauform wichtig ist.
Ein Preisratgeber nennt für Im-Ohr-Geräte etwa 600 bis 1.200 Euro in der Einstiegsklasse, 1.200 bis 2.200 Euro in der Mittelklasse und 2.200 bis 3.500 Euro für Premiummodelle, jeweils pro Ohr vor Abzug des Festbetrags. Besonders kleine CIC- und IIC-Geräte kosten wegen der Miniaturisierung eher mehr. Hinzu kommen Batterien der Größe 10 oder 312, die Erwachsene selbst bezahlen.
Kostenübersicht
Kosten im Detail nach Leistung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle.
| Leistung | Übliche Kostenspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Aufzahlungsfreies Im-Ohr-Gerät | 5–10 € pro Gerät | Möglich, aber seltener im Angebot; ausdrücklich im Fachgeschäft danach fragen |
| Im-Ohr-Gerät Einstiegsklasse | Ca. 600–1.200 € pro Ohr | Gerätepreis vor Festbetrag; einfache Automatik, wenige Zusatzfunktionen |
| Im-Ohr-Gerät Mittelklasse | Ca. 1.200–2.200 € pro Ohr | Bessere Störgeräuschunterdrückung und mehr Programme; Eigenanteil nach Festbetrag deutlich geringer |
| Im-Ohr-Gerät Premiumklasse | Ca. 2.200–3.500 € pro Ohr | Akku oder Streaming je nach Bauform; bei CIC und IIC oft eingeschränkt |
| Festbetrag der Krankenkasse | 704,37 € netto pro Gerät | Gilt für Im-Ohr- wie für Hinter-dem-Ohr-Geräte, seit April 2026 |
| Batterien Größe 10 oder 312 | Bis ca. 100 € pro Jahr | Kleine Knopfzellen halten nur wenige Tage; Erwachsene zahlen sie selbst |
| Nachsorge und Reparaturen | 0 € bei Kassenversorgung | Sechs Jahre inklusive; Filterwechsel und Reinigung gehören zur Betreuung |
Gut zu wissen
Für wen eignet sich ein Im-Ohr-Hörgerät?
Ein Im-Ohr-Gerät passt, wenn der Hörverlust leicht bis mittelgradig ist, der Gehörgang genug Platz bietet und Sie ein unauffälliges Gerät möchten. Praktisch ist es für Menschen, die Brille, Maske oder Mütze tragen, weil hinter dem Ohr nichts sitzt. Wer viel Sport treibt oder schnell schwitzt, sollte die Feuchtigkeitsfrage im Fachgeschäft offen ansprechen. Probieren Sie vor der Entscheidung auch ein Hinter-dem-Ohr-Gerät mit Hörer im Gehörgang aus: Es ist ebenfalls unauffällig und lässt oft mehr Technik zu.
Weniger geeignet ist die Bauform bei hochgradigem Hörverlust, bei häufigen Gehörgangsentzündungen, starker Ohrenschmalzbildung oder wenn das Einsetzen kleiner Teile schwerfällt. Bei Kindern sieht die Hilfsmittel-Richtlinie in der Regel Geräte mit Audioeingang oder anderen Ankopplungstechniken vor, die Wahl trifft dort eine spezialisierte Praxis. Bei einseitiger Taubheit sind CROS-Lösungen ein eigenes Thema, das die HNO-Praxis mit Ihnen klärt.
Tipps
Die Tipps von Lennartin vor der Unterschrift
🌿 Lennartin, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Anliegen gut aufgehoben ist. Wer ist Lennartin?
Gehörgang zuerst prüfen lassen
Bevor ich mich in ein winziges Gerät verliebe, lasse ich prüfen, ob mein Gehörgang dafür weit und gerade genug ist. Bei sehr engen Ohren passt die kleinste Bauform schlicht nicht.
Fingerprobe im Laden
Ich übe im Geschäft, das Gerät selbst einzusetzen, herauszunehmen und die Batterie zu wechseln. Klappt das mit meinen Fingern nicht, ist ein größeres Modell die bessere Wahl.
Eigene Stimme testen
Ich lese mit eingesetztem Gerät laut aus der Zeitung vor. Klingt meine Stimme dumpf wie im Fass, frage ich nach einer größeren Belüftungsbohrung.
Kassengerät auch im Ohr
Im-Ohr-Geräte gehören zur Standardversorgung der Kasse. Ich frage deshalb ausdrücklich nach einem aufzahlungsfreien Modell in dieser Bauform, auch wenn es seltener angeboten wird.
Filter regelmäßig wechseln
Ohrenschmalz ist der größte Feind der kleinen Geräte. Ich wische sie abends mit einem weichen Tuch ab, wechsle den Wachsfilter und lasse sie in der Trockenbox über Nacht ruhen.
Kein Föhn
Nass geworden? Ich lege das Gerät in die Trockenbox und bringe es im Zweifel zum Akustiker. Einen Föhn nehme ich dafür nie, das rät auch Stiftung Warentest.
FAQ
Häufige Fragen
Was kostet ein Im-Ohr-Hörgerät?
Ein Preisratgeber nennt pro Ohr etwa 600 bis 1.200 Euro in der Einstiegsklasse, 1.200 bis 2.200 Euro in der Mittelklasse und 2.200 bis 3.500 Euro für Premiummodelle. Davon zieht die Kasse den Festbetrag von 704,37 Euro netto ab. Ein aufzahlungsfreies Im-Ohr-Gerät kostet Sie nur 5 bis 10 Euro Zuzahlung, ist aber seltener im Angebot als ein Hinter-dem-Ohr-Gerät.
Zahlt die Krankenkasse auch ein Im-Ohr-Hörgerät?
Ja. Die Hilfsmittel-Richtlinie nennt Hinter-dem-Ohr- und Im-Ohr-Geräte gleichermaßen als Standardversorgung, der Festbetrag ist derselbe. Die Kasse zahlt aber nicht automatisch die Bauform, die Sie sich wünschen. Liegt das Im-Ohr-Gerät über dem Vertragspreis und bringt es Ihnen beim Verstehen keinen Vorteil gegenüber einem aufzahlungsfreien Gerät, tragen Sie die Differenz selbst. Einen Antrag auf Mehrkosten können Sie trotzdem stellen, wenn Sie den Vorteil im Alltag belegen können.
Für welchen Hörverlust eignet sich ein Im-Ohr-Hörgerät?
Stiftung Warentest nennt leichten bis mittleren Hörverlust. Concha-Geräte bieten wegen ihrer Größe noch am meisten Leistung, sehr kleine CIC- und IIC-Geräte haben weniger Reserven. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit ist ein Hinter-dem-Ohr-Gerät meist besser. Entscheidend sind außerdem Weite und Form des Gehörgangs, das kann nur der Hörakustiker beim Blick ins Ohr beurteilen.
Welche Nachteile haben Im-Ohr-Hörgeräte?
Sie sitzen dort, wo Ohrenschmalz und Feuchtigkeit entstehen, und brauchen deshalb tägliche Pflege und regelmäßig neue Wachsfilter. Die kleinen Batterien der Größe 10 halten nur wenige Tage, Bedienelemente sind winzig. Viele Träger hören ihre eigene Stimme anfangs dumpf, weil der Gehörgang verschlossen ist; eine Belüftungsbohrung in der Schale hilft meist. Wer mit den Fingern unsicher ist, kommt mit einem größeren Modell besser zurecht.
Wie lange dauert die Anfertigung eines Im-Ohr-Hörgeräts?
Nach dem Ohrabdruck wird die Schale meist über ein digitales 3D-Modell gefertigt und mit der Technik bestückt. Je nach Hersteller und Bauform dauert das einige Tage bis wenige Wochen. Danach folgen Einsetzen, Einstellen und Probetragen über mehrere Wochen. Planen Sie die Versorgung deshalb nicht direkt vor einem wichtigen Termin, bei dem Sie auf gutes Hören angewiesen sind. Fragen Sie beim Abdruck, wann die Schale voraussichtlich geliefert wird.
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