Überblick
Der Anbieter im Überblick:
Ein Hörakustiker erhebt Ton- und Sprachaudiogramm, schaut mit dem Otoskop in den Gehörgang, nimmt Ohrabdrücke und lässt Ohrpassstücke fertigen. Er wählt Hörsysteme nach Hörverlust und Alltag aus, programmiert sie, prüft das Ergebnis mit Sprachtests und betreut die Geräte danach über Jahre mit Reinigung, Kontrollen und Reparaturen. Dazu kommen Tinnitusgeräte, Gehörschutz und Zubehör für Telefon und Fernseher.
Hörakustiker ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf. Weil im Gehörgang gearbeitet wird und ein falsch eingestelltes Gerät das Restgehör schädigen kann, gilt er als Gesundheitshandwerk mit Meisterpflicht: Ein Fachgeschäft braucht einen Hörakustikermeister. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2013 muss der Meister aber nicht ständig im Laden stehen. Bundesweit arbeiten rund 19.900 Hörakustiker in etwa 7.500 Fachgeschäften.
Kompetenz
Was ein qualifizierter Anbieter leistet:
Die fachlichen Aufgaben eines ausgebildeten und zugelassenen Anbieters.
- Ton- und Sprachaudiometrie durchführen und das Ergebnis im Audiogramm festhalten.
- Gehörgang und Trommelfell mit dem Otoskop begutachten, bevor ein Abdruck genommen wird.
- Ohrabdrücke nehmen und Otoplastiken oder Im-Ohr-Schalen anfertigen lassen.
- Mehrere Hörsysteme vergleichend anpassen, darunter mindestens ein aufzahlungsfreies.
- Das Sprachverstehen mit dem Freiburger Einsilbertest in Ruhe und im Störgeräusch messen.
- Hörprogramme im Alltag nachjustieren, Filter wechseln und Geräte reparieren.
- Die Versorgung dokumentieren und mit der Krankenkasse abrechnen.
Gut zu wissen
Wann Sie einen Anbieter einschalten sollten
Wenn Sie bei Familienfeiern oder im Restaurant immer öfter nur die Hälfte verstehen, ist ein Hörtest im Fachgeschäft ein guter erster Schritt. Er ist meist kostenlos und zeigt, ob überhaupt ein Hörverlust vorliegt. Für ein Kassengerät brauchen Sie bei der ersten Versorgung allerdings eine Verordnung, in der Regel aus der HNO-Praxis, die auch medizinische Ursachen ausschließt.
Auch später ist der Hörakustiker Ihr Ansprechpartner: wenn das Gerät pfeift, der Klang dumpf wird, ein Filter verstopft ist oder das Gehör nachlässt. Nach sechs Jahren steht Erwachsenen in der Regel eine Folgeversorgung zu, die meist ohne neue Verordnung beginnt. Bei plötzlichem Hörverlust, neuem Tinnitus oder Schmerzen gehen Sie dagegen zuerst in die HNO-Praxis.
Kosten
Stundensatz und typische Leistungen
Hörakustiker rechnen nicht nach Stunden ab. Bei Kassenversorgung sind Hörtest, Beratung, Anpassung, Einweisung, Feinanpassung und Dokumentation im Festbetrag von 704,37 Euro netto je Gerät enthalten, der seit April 2022 gilt. Der GKV-Spitzenverband hat dabei sogar die Zeit für den Vergleich mit zwei weiteren Hörsystemen einkalkuliert. Sie zahlen für ein aufzahlungsfreies Gerät nur 5 bis 10 Euro Zuzahlung.
Geld verdient das Fachgeschäft bei teureren Geräten mit dem Eigenanteil, der je nach Modell von einigen hundert bis über 2.000 Euro pro Ohr reicht. Service über sechs Jahre ist bei Kassenversorgung eingeschlossen, Batterien zahlen Erwachsene selbst. Fragen Sie vor der Unterschrift, welche Nachsorge beim teureren Gerät inbegriffen ist und was nach Ablauf der sechs Jahre kostet.
Kostenübersicht
Kosten im Detail nach Leistung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle.
| Leistung | Übliche Kostenspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Hörtest im Fachgeschäft | In der Regel 0 € | Einstieg in die Versorgung; vorher kurz nachfragen |
| Aufzahlungsfreies Hörgerät | 5–10 € Zuzahlung | Anpassung und Service sechs Jahre inklusive |
| Otoplastik (Festbetrag) | 45,07 € netto | Abdruck und Fertigung eingeschlossen |
| Mittelklasse, Eigenanteil | Ca. 500–1.300 € pro Ohr | Modell, Komfortfunktionen, Geschäft |
| Premiumklasse, Eigenanteil | Ca. 1.300–2.800 € pro Ohr | Akku, Streaming, Automatik; Mehrkostenantrag möglich |
| Reparatur bei Kassenversorgung | 0 € in sechs Jahren | Batterien und Zubehör ausgenommen |
Tipps
Die Tipps von Lennartin vor der Unterschrift
🌿 Lennartin, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Anliegen gut aufgehoben ist. Wer ist Lennartin?
Drei Geräte im Vergleich
Ich frage gleich am Anfang, welche Geräte ich vergleichen darf. Stiftung Warentest nennt drei Probegeräte als sinnvolles Maß, eins davon aufzahlungsfrei.
Messprotokoll mitnehmen
Ich lasse mir das Ergebnis des Sprachtests im Störgeräusch für jedes Gerät ausdrucken. Ohne diese Zahlen kann ich später weder vergleichen noch einen Antrag stellen.
Im Viertel herumhören
Beim Seniorenkaffee frage ich, wer mit seinem Akustiker zufrieden ist und warum. Kurze Wege zählen, denn zur Feinanpassung geht man öfter hin, als man denkt.
Termine gleich festlegen
Die Feinanpassung braucht mehrere Besuche. Ich vereinbare die ersten Kontrolltermine direkt bei der Abgabe, dann rutscht nichts durch.
Wechsel ist erlaubt
Passt die Chemie nicht, gehe ich woanders hin. Der Wechsel des Hörakustikers ist in den Kassenverträgen vorgesehen und darf mich nichts kosten.
Ohrpassstück reklamieren
Drückt oder pfeift das Ohrpassstück, gehe ich sofort zurück. Nacharbeit gehört zur Anpassung, das muss ich nicht wochenlang aushalten.
FAQ
Häufige Fragen
Welche Ausbildung hat ein Hörakustiker?
Eine dreijährige duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, die mit der Gesellenprüfung endet. Wer ein Fachgeschäft führen will, braucht den Meisterbrief im Hörakustiker-Handwerk. Der Beruf gilt als Gesundheitshandwerk, weil im Gehörgang gearbeitet wird. Nach Angaben der Bundesinnung lernen derzeit rund 2.500 junge Leute den Beruf, über 60 Prozent der Beschäftigten sind Frauen.
Was kostet ein Hörtest beim Hörakustiker?
In aller Regel nichts. Der Test dient als Einstieg in eine mögliche Versorgung und ist bei Kassenversorgung mit dem Festbetrag abgegolten, wenn Sie später ein Gerät nehmen. Fragen Sie trotzdem vorher kurz nach. Er ersetzt nicht die Untersuchung in der HNO-Praxis, die vor dem ersten Kauf eines Hörgeräts mit Kassenleistung nötig ist.
Wie oft bekomme ich ein neues Hörgerät von der Kasse?
Erwachsene in der Regel alle sechs Jahre, Kinder und Jugendliche alle fünf Jahre. Früher geht es nur mit Begründung, etwa wenn das Gehör deutlich schlechter geworden ist oder das Gerät laut Zustandsbericht nicht mehr zu reparieren ist. Bis dahin zahlt die Kasse bei Kassenversorgung Wartung und Reparaturen, nur die Batterien nicht.
Muss der Hörakustiker mir ein Gerät ohne Aufzahlung anbieten?
Ja. Die Verträge mit den Krankenkassen verpflichten ihn, mindestens ein aufzahlungsfreies Hörsystem anzubieten, das Ihren Hörverlust bestmöglich ausgleicht. Es muss unter anderem digital sein, mindestens sechs Kanäle, Rückkopplungs- und Störschallunterdrückung sowie drei Hörprogramme haben. Verweigert ein Geschäft den Vergleich, dürfen Sie wechseln.
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